Wir brauchen eine offene Sync-Infrastruktur!

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tl;dr: Einen Ansatz gibt es - bauen wir RFC 6578 in mod_dav ein!

Nach einem deutlichen Artikel auf the Verge hat sich in den letzten Wochen auch auf breiterer Front die Erkenntnis duchgesetzt, dass die iCloud ihr Versprechen vom magischen Sync definitiv nicht eingelöst hat.

Andererseits zeigte die einigermassen unerwartete Abkündigung von Google Reader, wie schnell eine "Infrastruktur" wegbrechen kann, wenn es sich eben nicht wirklich um Infrastruktur, sondern nur um ein Projektchen einer Firma wie Google handelt, die, aus was für Gründen auch immer, dessen überdrüssig wurde.

Das Gute an diesen Ereignissen ist - es wird klarer: wir brauchen eine Infrastruktur für Sync. Basierend auf Standards, mit offener Implementation, und nicht abhängig von einem bestimmten Provider.

Sync lässt sich grob in zwei Aufgaben unterteilen:

  • Eine effiziente Verteilung (insbesondere was Datentransfer anbelangt) der produzierten Daten an alle Teilnehmer
  • Das konsistente Zusammenführen der Daten von verschiedenen Beteiligten zu "einer Wahrheit"

Wie schwierig die zweite Aufgabe ist,kommt nur darauf an, was man will. Apple wollte nichts weniger als die Königslösung und nahm sich vor, komplexe Objektgraphen (CoreData) generisch zu synchronisieren. Das haben sie vorerst nicht mit einer brauchbaren Stabilität geschafft.

Will man aber "nur" einen Haufen Files überall im Zugriff, wie Dropbox, dann ist die zweite Aufgabe fast trivial, und alles viel einfacher. Der reine File-Sync funktioniert ja scheinbar sogar in der iCloud ganz gut.

Für die meisten Apps liegt der Aufwand für die Ermittlung einer in ihrem Kontext ausreichend konsistenten "Wahrheit" irgendwo dazwischen. Es wäre schön, wenn es da mit der Zeit bequeme Frameworks für diesen oder jenen Anwendungsfall gäbe, aber zu einer generischen Sync-Infrastruktur gehört dieser Teil nicht.

Der erste Aufgabe hingegen ist von der Sync-Infrastruktur zu erfüllen, die man von ganz klein auf dem eigenen Server installiert bis hin zu ganz gross skaliert bei einem Cloud-Anbieter betreiben können möchte. Genauso simpel, zuverlässing und austauschbar wie ein Webserver.

Es braucht dazu nicht nur einen Server, denn als App-Enwickler möchte man nicht die Files irgendwo abholen müssen, nicht Verzeichnisbäume nach Änderungen durchscannen. Sondern lokal ein Abbild der Daten haben, und benachrichtigt werden, wenn sich etwas ändert (analog dazu, wie kaum jemand direkt TCP-Sockets aufmachen will, um HTTP zu sprechen). Dazu braucht es ein passendes Client-Framework.

Dropbox nutzt jetzt die Gunst der Stunde, genau so ein Framework mit seinem neuen Sync-SDK anzubieten. Aber eine Standard-basierte offene Infrastruktur ist das nicht.

Offen und standardisiert hingegen ist WebDAV (RFC 4918). Und in der Tat nutzen es einige App-Entwickler bereits für ihren Sync-Bedarf. WebDAV hat aber ein Problem im Zusammenhang mit Sync - es ist bei einer grösseren Anzahl von Objekten (Files) nicht effizient, Änderungen zu finden.

Es sei denn, man hätte eine Implementation von RFC 6578: "Collection Synchronization for Web Distributed Authoring and Versioning (WebDAV)".

Wer hat eine? Apple. Warum? Weil sie das in der iCloud brauchen. Das ist vielleicht momentan nicht gerade die beste Werbung. Aber wer sich in Apple-Technologien ein bisschen auskennt, weiss, dass Apple genau dieses Muster viele Male sehr erfolgreich angewendet hat: solide Standards nehmen, offen weiterentwickeln, und dann als Basis für proprietäre "Magic" benutzen (z.B. HTTP Live Streaming, Bonjour/multicast DNS, CalDAV). Ich bin überzeugt, dass WebDAV Collection Sync nicht das Problem in der iCloud ist.

Mein Fazit:

Wir (damit meine ich die Indie-Dev Community) sollten Kräfte bündeln, RFC 6578 einerseits in mod_dav implementiert zu bekommen und so in nützlicher Frist auf jeden Apache-Webserver dieses Planeten auszurollen. Und am anderen Ende Sync-Frameworks zu bauen, die genau dasselbe bieten wie die neue Dropbox Sync-API, aber mit WebDAV als Backend.

Damit nicht nur wir Entwickler, sondern auch die Anwender unserer Apps wieder wählen können, bei wem die Daten liegen sollen.

Ist die Zeit endlich reif dafür?

“Nicht finanzierbar” ist immer eine Ausrede

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Die ganze Kultur und Zivilisation der Menschheit hat nicht jemand finanziert, sondern sie wurde von eben dieser Menschheit aufgebaut.

Ob das Ganze, so wie es heute ist, in Betrieb gehalten und gewartet werden kann, ist nicht ursächlich davon abhängig, ob Geld dafür fliessen kann, sondern ob die Menschen dafür weiter arbeiten. Ebenso die Weiterentwicklung der Zivilisation.

Wenn jemand etwas tut, dann wirkt es in dieser Welt. Finanziert oder nicht, ist keine Frage des "ob", sondern nur eine des "wie".

Diese Leistung, Dinge und Strukturen zu erschaffen (über die Natur hinaus) und zu unterhalten (gegen die Entropie), aber auch zu zerstören, kommt (neben der Energie - die Frage nach deren Quellen ist ein anderes Thema) aus der Arbeit der Menschen. Meine, Deine, unser aller tägliche Arbeit in allen Formen. Bezahlte, unbezahlte, zu hause, an einer Arbeitsstelle, konstruktive, zerstörerische.

Mit Geld hat das nichts zu tun. Die wirkliche zentrale Frage heute ist nicht, ob das Finanzsystem zusammenbrechen wird. Sondern: Werden weiterhin andere Leute das tun, was ich selber nicht tun kann oder will, aber zum Leben brauche? (Lebensmittel anbauen z.B.)

Diese Frage mit "ja, solange ich genug Geld habe, das zu bezahlen" zu beantworten, ist keine Antwort. In einer Zeit, wo das Geldsystem aus 90% Spekulation besteht, und wenn vielleicht nicht total zusammenbrechen, doch sicher grobe Veränderungen erfahren wird (und bereits hat), ist eine finanzielle Begründung immer eine Ausrede.

Wer wirkliche Antworten will muss den Glauben ans Geld durchbrechen, und nüchtern sehen, dass die Geldsphäre zwar ein Machtinstrument ist, aber keineswegs eine Ursache in sich.

Also geht es darum zu fragen, wer die Macht ausübt, dass Dinge gemacht werden oder nicht.

1. Einmal ich selber - Wieweit bedingt mein Lebensstandard, dass andere Menschen mit Gewalt zu Arbeit gezwungen werden, die sie freiwillig nicht leisten würden? Das ist nicht einfach zu beantworten. Aber klar ist, dass uns westlichen Konsumbürgern eine Menge Komfort zur Verfügung steht, für den andere unter weniger komfortablen Bedingungen, bis hin zu mörderischer Ausbeutung, arbeiten müssen [1]. Weil wir mit einem laxen Konsumverhalten (haben wollen, aber nicht schauen wie's zustande kommt) Verantwortung und Macht delegieren und uns dadurch selbst entmündigen.

2. Heikler ist die Umkehrfrage: Was leiste ich selber, das anderen Menschen wirklich das Leben komfortabler, sicherer, besser, schöner macht? Und dann: In welchem Verhältnis steht diese Leistung zu dem, was ich von anderen beziehe? Das ist keine einfache Frage, wenn ich mich nicht mit einer Geld-Ausrede aus der Verantwortung stehlen will ("meine Arbeit wird ja gut bezahlt, also gehe ich davon aus dass sie nützlich ist"). Letztlich ist es die Sinnfrage - mache ich etwas Sinnvolles für die Weiterexistenz der Gesellschaft und ihrer Institutionen, die ich selber in Anspruch nehme, oder säge ich am Ast, auf dem ich sitze?

An sich ist es banal - es geht darum, sich laufend, mit jedem neuen Tag, die schwierige Sinnfrage zum eigenen Tun in der Welt zu stellen, und sich nicht schon auf der Geldebene zu einfachen Antworten verführen lassen.

Wenn ein Projekt "nicht finanzierbar" ist, heisst das letztlich nur: In diesem Moment sind nicht genügend Leute bereit, etwas für diese Sache zu tun oder zu geben. Das ist gewiss nicht einfacher zu überwinden als ein leeres Konto. Aber zuerst an Geld zu denken, verstellt den Blick auf die Motivationen und Absichten der Beteiligten und Betroffenen, Freunde und Feinde. Wäre unser Geldsystem gesund, die Märkte funktionierend, dann würde die Geldlandschaft die Realität einigermassen abbilden. Aber im heutigen schwerkranken Geldsystem ist diese Abbildung so stark verzerrt, dass die eigentlichen realen Vorzüge und Probleme eines Vorhabens kaum mehr sichtbar sind vor lauter Finanzaspekten. So werden schwerst schädliche Sachen gemacht, nur weil sie finanziellen Profit abwerfen, und dringend Notwendiges wird nicht angepackt, weil es "nicht finanzierbar" ist.

Das heutige Geldsystem sofort abschaffen können wir nicht - aber wir können im Kopf die Geldüberlegungen aus dem Zentrum der Realitätswahrnehmung verbannen, und in der Kategorie "nicht mehr zeitgemässes, kaputtes Werkzeug, leider im Moment noch ohne Ersatz" abstufen. Sobald dem Geld die absolute Bedeutung in den Köpfen verloren geht, verliert es auch die absolute Macht in der Welt.

Jeder plötzliche Zusammenbruch des Geldsystems wäre sehr schmerzhaft - dass danach alles besser käme, ist eine gefährliche Illusion. Hingegen eine allmähliche Erosion der Bedeutung dieses Irrsinnsgeldes in den täglichen Gedanken der Einzelnen ist eine hoffnungsvolle Variante. Schwindet der Glaube, schwindet auch die Angst, und Kräfte werden frei für die Arbeit an Alternativen.

Das Geld wird dadurch nicht abgeschafft, aber zurückgestuft dorthin, wo es nützlich und in einer arbeitsteiligen Welt auch unverzichtbar ist - von einem Zweck an sich zu einem Mittel zum Zweck.

Insofern hoffe ich auf eine Aufklärung 2.0 - in den Köpfen.

[1] Das ganz detailliert für jedes Konsumprodukt herauszufinden ist schwierig, aber eine grobe Ahnung lässt sich bei Vielem mit etwas Vergleichen der Arbeit (und nicht des Geldes!) schon finden: Ein Kleidungsstück, das zu nähen jemand einen halben Tag beschäftigt, aber hier den Bruchteil eines hiesigen Stundenlohns kostet, beinhaltet Ausbeutung. Nicht notwendigerweise individuelle, aber auf jeden Fall volkswirtschaftliche. Meist aber beides.

 

PrivateTax auf Mac OS X 10.7 Lion installieren

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Schon wieder ein Hack! Diesmal auf Deutsch weil mit geographisch eng beschränktem, aber grossem Nutzen für diejenigen, die wie ich auf den letzten Termin im Kanton Zürich die Steuererklärung 2010 einreichen müssen, und einen Mac mit 10.7 Lion haben.

Wie jedes Jahr habe ich mir dazu das kostenlose Programm "Private Tax 2010" heruntergeladen. Da stellt sich heraus, dass dieses Programm einen PowerPC-Mac oder Rosetta benötigt, und deshalb auf Lion gar nicht installierbar ist. Toll! 5 Jahre nach der Umstellung auf Intel bei Apple!

Doch halt - PrivateTax ist doch ein Java-Programm? Das hat doch nix mit Intel/PowerPC zu tun? Ein Blick in das "Setup.app" Package zeigt sofort den Schuldigen: da ist eine Uralt-Version von InstallAnywhere (von 2006) drin.

Da war wohl jemand zu geizig (wir müssen schliesslich Steuergelder sparen, jaja), die Lizenz auch nur einmal in den letzten 5 Jahren zu erneuern.

Zum Glück ist die Lösung recht einfach: Man suche sich irgend ein halbwegs aktuelles anderes Mac-Programm, das mit InstallAnywhere installiert wird (Google - "mac installanywhere" findet allerlei). Nun öffnet man im Finder mit "Rechtsclick->Paketinhalt anzeigen" die "Setup.app" von PrivateTax und die entsprechende *.app des anderen Programms (die muss nicht unbedingt "Setup.app" heissen). Aufgeklappt sehen die Inhalte auf beiden Seiten etwa so aus:

PrivateTaxInstallerContentsDas angewählte "Setup" ist das Binary des InstallAnywhere, das im Fall von PrivateTax PPC-only ist. Dieses wird nun einfach durch das entsprechende Binary aus dem neueren Installer ersetzt (wenn es im anderen Installer anders heisst, einfach in "Setup" umbenennen).

Damit ist der Installer modernisiert. Jetzt einfach direkt das "Setup"-Binary doppelclicken, dann öffnet sich ein Terminal, der Installer startet normal mit GUI, und PrivateTax lässt sich installieren. An der Stelle dachte ich schon: Geschafft! Leider noch nicht ganz.

Denn die installierte App "Private Tax 2010.app" ist technisch selber wieder ein InstallAnywhere. Das heisst, es hat genau dieselbe Struktur wie oben gezeigt, und genau dasselbe veraltete Binary, diesmal heisst es aber "Private Tax 2010". Also braucht es den gleichen Trick nochmals - einfach auch hierhin das Binary aus dem neueren Programm kopieren, und es "Private Tax 2010" nennen.

Als Letztes muss nun noch das Cache von Mac OS X überlistet werden, welches immer noch fest glaubt, die installierte App sei PowerPC-only, und darum den Start verweigert. Das geht, indem die ganze "Private Tax 2010"-App (aus /Applications/Private Tax 2011) an einen anderen Ort hin und wieder zurück kopiert wird. Dabei verschwindet die Verbotstafel auf dem Icon, und ab jetzt ist der Start ganz normal möglich.

Das alles selbstverständlich, wie bei jedem Hack, nur ganz auf eigenes Risiko durchführen!

Bei mir hat es prima funktioniert, ohne Nebengeräusche beim Benutzen von PrivateTax nachher.

Fröhliches Steuererklärungsausfüllen!

Viele Arbeitsplätze = Wohlstand?

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Ein paar Gedanken angeregt von "Sie schaffen Glück, keine Jobs" von Philipp Löpfe (TA vom 26.4.2011)

Sich mit der Frage nach dem Nutzen von Social Media auseinanderzusetzen wie es der Artikel verspricht, fände ich durchaus spannend. Leider scheint mir die ganze Argumentation an einem unreflektierten Dogma aufgehängt: Viele Arbeitsplätze = Wohlstand.

Doch wieso eigentlich soll hektische Aktivität an sich Wohlstand sichern?

Erst mal ist das Gegenteil der Fall. Wohlstand besteht darin, dass die Menschen sich eben *nicht* total abrackern müssen, um zu überleben.

Um das zu erreichen, gibt es zwei Wege: Erstens: Andere die Arbeit machen lassen - früher waren es Sklaven, später kamen die Maschinen mit dem Energieverbrauch dazu. Und zweitens: Verbesserung der Methoden, so dass mehr mit weniger Aufwand erreicht werden kann.

Auf beiden Wegen sind wir lange und weit vorwärtsgekommen. Während sich aber sich die Grenzen der Versklavungsmöglichkeiten und der Resourcenverschwendung überall unerbittlich zeigen, ist das Potential unendlich, neue Methoden zu finden, um das Vorhandene besser zu nutzen, und dann zu verbreiten. Die Natur macht das seit Millionen von Jahren, und wir nennen es Evolution.

Diesbezüglich sind wir an einem interessanten Punkt. Bis vor sehr wenigen Jahren hielt die Biologie das absolute Monopol in der Informationstechnologie.
Speicherdichten und Replikationsmechanismen wie in den Genen, Verarbeitungskapazitäten wie in Gehirnen waren technisch unvorstellbar. Nicht mehr so sehr heute. Dass deswegen die Roboter bald die Herrschaft übernehmen halte ich zwar für Quatsch. Nicht aber, dass die Informationstechnik für die Evolution (der Menschen) relevante Grössenordnung bekommen hat.

Vielleicht muss ich es noch etwas zuspitzen, damit der Gedanke klar wird: Was anderes, als eine schnelle Entwicklung des Bewusstseins der gesamten Menschheit kann uns noch retten? Und was anderes als die effiziente Verbreitung von Wissen und Erfahrung könnte dazu beitragen?

Oh gewiss, ein grosser Anspruch an Facebook &Co :-)

Aber auch weniger ausschweifend betrachtet - Social Media ernsthaft daran zu messen, wiewenige Menschen dadurch in einem Datencenter für Lohn Dienst schieben dürfen, ist absurd.

Oder zumindest irrelevant, sogar rein volkswirtschaftlich, im Vergleich zu den Auswirkungen dieser Informationsströme, z.B. in den vielen Firmen, die ihr Marketing total auf Social Media aufbauen, oder meinetwegen die an klassischen Arbeitsplätzen damit verplemperten Stunden (oder war das schon Aufbauarbeit für ein zweites Standbein?). Erst recht mit einem Seitenblick auf die kürzlichen Ereignisse im nahen Osten, die dürften wirtschaftlich relevanter sein als jede nur denkbare Anzahl von Arbeitsplätzen bei Facebook.

Übrigens - dass Twitter&Facebook keine Riesenapparate sind, ist eine gute Nachricht! Das heisst, dass sie noch nicht quasi unersetzlich sind. Denn wenn Social Media irgendwas bringen soll, darf es mittelfristig nicht von Herrn Zuckerbergs Laune abhängen, wie die Welt kommuniziert!

Weit hergeholt? Der Appstore und das Grundeinkommen

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In fast jeder Diskussion zum bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) kommt die Frage auf, weshalb denn der Steuerzahler das finanzieren soll. (Was ist BGE? S. z.B. hier oder hier)

Wer sich mal die Finanzierungsmodelle angeschaut hat, weiss, dass bei einem BGE nicht mehr umverteilt würde, sondern vor allem auf eine andere Weise.
Aber was bringt diese "andere" Weise (die Bedingungslosigkeit) denen, die heute kein Grundeinkommen brauchen? Diese fragen sich, weshalb sie Steuern zahlen sollen und einfach hoffen, dass die Menschen damit via BGE Sinnvolles tun, anstatt auf der Kontrolle, also den bedingten Sozialleistungen, zu bestehen.

Das ist eine sehr zentrale Frage, deren Beantwortung aber im Theoretischen sich nur aus dem Menschenbild der Antwortenden ergeben kann. Ob der Mensch sozial oder doch rein eigennützig sei, darüber lässt sich trefflich und endlos streiten.

Umso überraschender ist es, ein Grundprinzip des BGE, nämlich die Leistung nicht im Nachhinein zu entschädigen, sondern durch einen Vorschuss zu ermöglichen, an einem ganz unerwarteten Ort eingenistet zu entdecken.

Dieser Ort ist der AppStore, der on-line Laden für Zusatzprogramme (Apps) für das iPhone und das iPad. Dort ist in den zweieinhalb Jahren seit Eröffnung im Sommer 2008 eine neue Art von Software-Markt entstanden, den es vorher nicht gab. Zuvor kosteten Programme dieser Art, wie sie auf einem Mobiltelefon laufen, mehrere dutzend Geldeinheiten. Der AppStore hat aber mit einer (willkürlichen) Vorgabe gestartet, dass eine App nicht mal ein Zehntel davon kosten sollte, also meist weniger als eine Tasse Kaffee.

Die Freude beim Publikum war gross, und einige Apps liefen deshalb dermassen gut, dass die Hersteller auch mit dem Spottpreis so richtig reich wurden. Das sind die Goldgräbergeschichten, die durch die Medien breit gefeiert wurden.

Der Aufwand aber, eine App zu schreiben, ist nicht kleiner als früher. Deshalb setzte bei den Entwicklern bald Katzenjammer ein. Wie soll man von den Spottpreisen leben können, wenn man nicht einen Top-Hit landet? Das war der Tenor der Diskussion vor ca. einem Jahr.

Diese Frage ist natürlich nicht vom Tisch. Es ist die Frage danach, wer denn jetzt die 90% bekommt, um die der Durchschnittspreis gesunken ist. Nur wer 10 mal mehr verkauft als früher, hat gleichviel wie damals. Und, warum sollte das, ausser bei einzelnen Glücklichen, der Fall sein?

Eine Antwort: Weil sich das Verhalten der Kunden geändert hat. Früher (und heute noch beim klassischen Softwareverkauf) haben diese 10 kostenlose Demoversionen ausprobiert, und schliesslich diejenige, die am Besten gefiel, für z.B. 20 Geldeinheiten gekauft. Alle anderen hatten zwar Aufwand mit dem potentiellen Kunden, gingen aber leer aus. Im AppStore hingegen werden für eine Aufgabenstellung viel eher einfach einige App-Varianten für je ein, zwei Geldeinheiten gekauft. Eine davon ist dann schon die richtige. Die total ausgegebene Summe ist pro Kunde und Aufgabenstellung etwa dieselbe.

Man kann dieses lockere App-Kaufen nun bloss als weiter angeheiztes Konsumverhalten mit neuen Mitteln sehen. Ich glaube aber, da spielt sich etwas ab, das sich im Kontext des Grundeinkommens näher zu betrachten lohnt. Denn das lockere Kaufen, das sich hier zeigt, weicht die klassische 1:1-Forderung nach direkter Gegenleistung für jede Geldausgabe auf.

Ich zahle mehrmals einen geringen Beitrag fürs Ausprobieren, streue quasi Geld aus, ohne im Vornherein zu wissen, ob ich das gesuchte Ergebnis wirklich bekomme. Aber im Vertrauen, dass im Schnitt schon jemand die gewünschte Gegenleistung erbringen wird, und eine App liefert, die mein Bedürfnis erfüllt. Dass ich dabei 9 anderen, die mein Bedürfnis nicht erfüllt haben, auch Geld gegeben habe, vielleicht sogar jemandem, der wirklich lausige Arbeit gemacht hat, stört nicht oder kaum. Soweit: nichts verloren – ich komme immer noch auf meine Kosten.

Was aber habe ich gewonnen? Die Entlastung vom Kontrollaufwand! Keine Angst mehr, vielleicht das Falsche schmerzhaft teuer zu kaufen. Die konkrete Erfahrung, dass im Schnitt, trotz Betrügern, Blendern und Schmarotzern, ein brauchbares Return on Investment herausschaut. Und ich lerne mehr Produkte kennen – auch wenn sie für mich nichts taugen, so erfahre ich etwas darüber, was anderen gefällt.

Nun, an sich ist die Erkenntnis recht trivial. Risikokapitalgeber arbeiteten schon immer so. 10 Versuche, 9 in den Sand gesetzt, doch einer gelingt und bringt mehr.

Dass sich dieses Verhalten in einem hochkompetitiven Markt für Endkunden, denen man in letzter Zeit kaum mehr als "Geiz ist geil" zugetraut hat, herausbildet, finde ich jedoch interessant.

Und noch mehr die Anschlussfrage: was hat denn dazu geführt? Meiner Meinung nach im Wesentlichen ein einziger Parameter – die willkürliche Herabsetzung der Preise auf einen Zehntel. Oder anders herum betrachtet: die Tatsache, dass den Kunden potentiell die 10-fache Kaufkraft einfach mal gegeben wurde, ohne Bedingung. Das hat aber nicht dazu geführt, dass einfach 90% des Umsatzes in diesem Markt wegbrach, obwohl man das rechnerisch durchaus hätte befürchten können (und auch hat).

Massiv verringert hat sich nur die Abhängigkeit des einzelnen Kunden vom einzelnen Anbieter. Nicht aber die Bereitschaft der Kundschaft als Ganzes, der Anbieterschaft als Ganzes genug Geld zukommen zu lassen. Und auch nicht der Anteil dessen, was der Einzelne von seinem (klassisch durch eigene Leistung verdienten!) Einkommen dafür einsetzt.

Ich will diese Beobachtung nun nicht als "Beweis" ins Feld führen, dass ein Grundeinkommen funktionieren wird. Aber ich möchte dazu anregen, mit den Behauptungen und Befürchtungen auch in scheinbar weit entfernten Kontexten wie diesem intensiv zu spielen.

Zum Beispiel weiterzuspinnen, und anhand der zwei verschiedenen Kontexte auch mal zu versuchen, die Befriedigung durch Konsum etwas zu sezieren. Worin liegt dort die Befriedigung? Worin der Betrug, die Sucht? Könnte es etwa die (vermeintliche) Unabhängigkeit, die Selbstständigkeit des Kaufentscheids sein, die so attraktiv ist? Und wenn, könnte es gesellschaftlich nicht effizienter und gesünder sein, diese Unabhängigkeit tatsächlich zu gewähren, anstatt sie nur durch immer raffiniertere Taktiken vorzuschützen, gleichzeitig aber Entmündigung voranzutreiben?

Alle Jahre wieder – Taschenupdate

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Vor einem Jahr war das iPhone 3GS neu, und brauchte eine Tasche, deren Herstellung ich damals in diesem Blog dokumentiert habe. Zum Bloggen bin ich zwar in der Zwischenzeit nicht gross gekommen (gut Ding will Weile haben oder so), jedoch ein nagelneues iPhone4 habe ich seit gestern vorliegen. Deshalb hier ein ganz kleines Taschenupdate.

Das iPhone4 ist ein wenig dünner, deshalb ändert sich die Breite des "Schlauches" den man nähen muss (wie gesagt, Detailanleitung zur Herstellung so einer Tasche gibts hier).

Statt 69mm beim 3G/3GS sind es 66mm fürs iPhone4, statt 73mm nur 70mm. Also total 6mm weniger Umfang:

Fertig sieht dann das etwa so aus:

Zeitaufwand etwa 30min. Viel Spass!

Über CRE (Chaosradio Express)

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Ich schreibe diesen Blogeintrag, um Tim Pritlove zu bestechen, neue Folgen von seinem Podcast "Chaosradio Express", oder eben kurz CRE, vorzeitig zu releasen. Das auf ausdrücklichen Wunsch, s. seinen Blogeintrag.

Nun, das Ganze ist natürlich ein Spiel mit der Aufmerksamkeit und den Möglichkeiten des Netzes. Auftragsblogging? Virtueller Flashmob? Gratiswerbung? Gefolgschaft beweisen? Community testen? Ob Absicht oder nicht, von alledem hat es etwas. Und für uns, die mitmachen? Ich müsste lügen wenn ich sagte, es ginge mir nicht auch um Aufmerksamkeit - eine Gelegenheit in einen Kontext verlinkt zu werden, den ich durchaus bewundere. So ist das für mich mit dem "Bestechungsbloggen" nicht halb so wild - ich tu's nicht uneigennützig.

Aber ich würde nicht darüber schreiben, wenn ich CRE nicht für einen wirklich hervorragenden Podcast hielte.

Pro Sendung geht es um ein Thema, manchmal rein technisch, manchmal im weiteren gesellschaftlichen Umfeld von Technikthemen. Besonders schätze ich, dass der Podcast so lange dauert, wie das Thema etwas hergibt, mal anderthalb, mal zweieinhalb Stunden. Ohne Pause, ohne Musik, einfach ein Gast oder mehrere Gäste, die Tim interviewt.

Inhaltlich finde ich die rein technischen wie die gesellschaftlichen Themen meist sehr interessant - bei den zweiten gibt es für mich als Schweizer auch viel zu lernen über das politische System in Deutschland (trotz Nachbarland und gleicher Sprache haben wir hier erstaunlich wenig Ahnung davon).

Ich finde aber schon, dass Tim als Interviewer bei den technischen und techniknahen Themen am meisten zu bieten hat - ich fühle mich selten so gut vertreten bei einem Interview (in dem Sinne, dass dem Gast die Fragen gestellt werden, die ich selber gern stellen würde) wie bei so richtig technischen Themen. Es ist für mich genau die richtige Mischung aus Rekapitulieren und präzise Nachfragen. Der breite Erfahrungshintergrund im Nerd-Bereich den Tim hat macht es für mich aus, und das echte Interesse (so kommte es wenigstens rüber) an den Themen, auch an den nifty details.

Insofern bin ich etwas ambivalent, wenn die Rede davon ist die Themenauswahl für CRE allzusehr zu verbreitern. Insbesondere dann, wenn es darum ginge, das nur zu tun weil der "Markt es verlangt". Es ist vielleicht eine unrealistische Forderung (s. unten), aber ich hoffe, dass Tim auch weiterhin die Themen entsprechend seinen eigenen brennenden Interessen sucht und auch in der Tiefe entsprechend behandelt - und nicht nach Einschaltquoten.

Damit bin ich an einem Punkt, der mich bei CRE auch sehr interessiert aber bisher kaum zur Sprache kam - und das wäre die Arbeitsweise, wie man denn als selbständiger Podcaster sich organisiert und überlebt. Oder wie das die Gäste machen, z.B. neben oder mit ihrem OpenSource-Engagement. Eine Folge "Arbeitsmodelle für Nerds"? Ich bin einfach neugierig was z.B. Tims extrem trockenes "so siehts aus" als Antwort auf Götz Werner's Frage "Sie sind doch auch ein Freelancer?" (eine Episode in der dieGesellschafter.de-Podcast-Serie u.a über das Grundeinkommen) eigentlich heisst.

CRE Blogkette: vorheriger (Nr. 13), nächster(Nr.15)

iPhone-Tasche mit Reinigungsfutter selbstgenäht

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[Update: für iPhone4 und 4S, siehe angepasste Masse hier]

Ich habe mir schon immer gerne Täschchen für meine Hightech-Gadgets selber genäht, und mit der Zeit auch eine Methode gefunden, wie das alles mit der Nähmaschine zu machen ist, ohne einen Stich von Hand und ohne eine sichtbare Naht. Ist natürlich absolut keine Profiarbeit, aber mir machts jeweils Spass.

Für das iPhone 3G hatte ich vor einem Jahr dann die Idee, als Futterstoff einen Mikrofaserlappen zu verwenden, so dass das Display beim rausziehen bzw. in die Tasche schieben jeweils von Fingerabdrücken (einigermassen) gereinigt wird. Das hat sich gut bewährt. Die Tasche von vor einem Jahr hatte ich mit rotem Rucksackstoff gemacht, der nun vom Tragen in der Hosentasche recht unansehnlich geworden ist. Zudem habe ich neu ein 3GS, meine Frau übernimmt das 3G und ein Freund hat sich auch ein 3GS gekauft - und alle wollen eine Tasche haben. Also hiess es für heute: Massenproduktion, und deshalb dachte ich, ich dokumentiere das Ganze gleich mal für Nachahmungswillige.

An sich ist es eine sehr einfache Tasche. Der Trick besteht nur darin, dass die letzte Naht diejenige ganz unten in der Tasche ist, wo man sie nicht sieht. Das ermöglicht es, dass man alles mit der Nähmaschine machen kann, und durch Umstülpen letzlich dennoch alle Nähte versteckt sind.

Die Schwierigkeit ist jedoch, die Masse genau richtig hinzukriegen, damit die Tasche wirklich genau passt. Ich brauchte eigentlich 3 Taschen, habe aber heute 5 produziert - zwar alle brauchbar, aber die zwei ersten nicht ganz so schön passgenau. Anders als bei früheren Einzelanfertigungen habe ich darum die Masse alle aufgeschrieben und getuned, so dass das Ganze jetzt reproduzierbar wird.

Als Futterstoff habe ich einen "Scotch-Brite Microfiber Window 2 in 1" von 3M genommen. Der hat eine Microfaserseite, und eine hirschlederartige Seite. Dadurch ist der Stoff fester (lederartiger) als die gewöhnlichen Microfaserlappen.

Als Aussenstoff verwende ich Rucksackstoff, den gibts in diversen Farben preiswert auch in kleinen Mengen zu kaufen (in Zürich z.B. beim Bernina-Shop am Talacker 35).

Hier die fertigen Taschen:

1.Fertig

Herstellung:

Für ein iPhone3G oder 3GS braucht es ca 160mm * 140mm Microfaserlappen und 150mm * 180mm Rucksackstoff.

Zuerst legt man die zwei Stücke mit der Sichtseite aufeinander, und näht sie entlang der längeren Seite zusammen. Die Lederimitatseite des 3M-Lappen rutscht sehr schlecht unter dem Nähfüsschen, im Gegensatz zum Rucksackstoff. Deshalb habe ich obendrauf noch ein Blatt Papier gelegt und mitgenäht - ohne dieses verrustchen die zwei Stoffe gegeneinander und die Naht wirft Wellen. Das Papier lässt sich nach dem Nähen problemlos wegreissen.

3. Oberkante

Diese Naht bildet später den oberen Rand der Tasche.

Nun wird das Ganze aufgeklappt, und längs zu einer langen Röhre zusammengefaltet (Sichtseite beider Stoffe immer innen). Diese Röhre muss nun ziemlich präzise längs vernäht werden, 69mm für die Futterseite und 73mm für die Rucksackstoffseite haben sich bewährt. Der Übergang zwischen den zwei Breiten kommt mit ein paar diagonalen Stichen genau auf die Mittelnaht. Es ist zu empfehlen, die Ober- und Unterseite der Mittelnaht vor dem Längsnähen mit einer Stecknadel genau aufeinander zu fixieren, sonst verschiebt sich der Stoff beim Längsnähen und der spätere obere Rand der Tasche wird krumm.

4. Längsnaht

Jetzt kommt die Bodennaht der Aussenseite, 134mm von der Naht zwischen Futter und Aussenseite entfernt. Rundum überstehenden Stoff auf ca 3mm abschneiden und ggf Rand Zickzacken.

5. Bodennaht

Jetzt das Ganze wie eine Socke kehren. Mit dem zähen 3M-Lappen ist das nicht ganz einfach, aber es geht, wenn man nicht unten stopft, sondern oben (im Bild rechts) aus der Mitte den Stoff hinauszupft. Mit einem Masstab kann man dann die Ecken der Aussenhülle schön ausstülpen.

6. Kehren

Jetzt kommt die letzte Naht, die das Futter schliesst. Diese ist zwar nicht total versteckt, kommt aber letztlich unten innen in die Tasche zu liegen, ist also praktisch auch unsichtbar. Sie sollte ca. 117mm von der Naht zwischen Futter und Aussenseite entfernt liegen. Wer weniger faul ist als ich, kann eine besser zum Innenfutter passende Fadenfarbe nehmen…

7. Futter Innennaht

Wieder einigermassen knapp neben der Naht den Rest abschneiden, und dann das Futter in die Tasche stopfen. Auch das ist etwas sperrig, bis die Ecken des Futters voll ausgestülpt und sauber unten in der Tasche liegen. Auch hier hilft der Masstab.

Wichtig: Die Naht zwischen Futter und Aussenstoff muss ca. 7mm vom Rand entfernt innen in die Tasche zu liegen kommen.

Viel Spass beim Nähen!

Die Statistik des Einzelfalls

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Immer wieder einmal begegnet mir folgende Denksportaufgabe (bekannt als das "Ziegenrätsel", "Ziegenproblem" oder "Monty-Hall-Problem"):

In einem Fernsehquiz gibt es drei gleiche Türen. Hinter zweien hat es eine Ziege, hinter einer ein Auto (oder sagen wir besser: einen erstrebenswerten Hauptgewinn. Nicht alle wollen ein Auto haben).

Als Kandidat darf ich erst mal eine Tür auswählen. Daraufhin öffnet der Quizmaster eine andere Tür, hinter der in jedem Fall eine Ziege ist. Nun darf ich entscheiden, ob ich bei der ursprünglichen Wahl bleibe oder mich für die andere noch geschlossene Tür entscheide.

Die Frage ist nun: Wie soll ich mich entscheiden?

Als Lösung der Aufgabe wird dann jeweils die statistisch richtige Antwort präsentiert und hergeleitet, z.B. hier. Diese ist für Uneingeweihte überraschend (die Gewinnwahrscheinlichkeit ist beim Wechsel doppelt so hoch, also soll man die Tür wechseln) und durchaus ein faszinierendes Beispiel für die Fallstricke bei bedingten Wahrscheinlichkeiten.

Dennoch sage ich - die präsentierte Lösung ist falsch. Die richtige Lösung lautet: Es ist egal, was die Statistik sagt - ich muss meine Wahl selber treffen.

Warum? So wie die Aufgabe präsentiert wird, handelt es sich für mich um einen Einzelfall. Ich werde kein zweitesmal Kandidat in diesem Quiz sein können, die Chance zu gewinnen ist einmalig. Und damit wird die Statistik gänzlich irrelevant. Auch wenn die Statistik eine tausendfache Chance für die eine Tür beweisen würde - das eine Mal wo ich im Leben bei diesem Quiz Kandidat bin kann es genausogut die andere Tür sein. Ich muss also frei entscheiden. Die Statistik hilft mir nichts.

Ich finde diese Erkenntnis fundamental. Erst wenn sich eine Situation viele Male wiederholt, wird Statistik nützlich. Wer aber für einmalige Entscheidungen sich der Statistik unterordnet, verschenkt seine Freiheit. Es ist eine schreckliche Täuschung, zu glauben, eine statistikkonforme Entscheidung sei vernünftig - und sich dadurch vielleicht davon abbringen zu lassen, einer inneren Überzeugung zu folgen.

Aller Anfang ist schwer

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Das gilt auch fürs Bloggen. Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, und für dieses Blog ist er heute. Ich schleppe schon länger eine Sammlung von Themen mit mir herum, zu denen ich einmal etwas schreiben wollte oder gar angefangen habe.

Nun hat mir ein Tweet von @terra_solar den Anlass gegeben, gerade heute mit dem Beitrag "Statistik des Einzelfalls" zu starten. Wenn es doch weitgehend eine Gedankenspielerei ist - ich spiele gerne mit Gedanken - geht es für mich dabei um eine sehr wichtige weltanschauliche Grundfrage, die Frage nach der freien Entscheidung und der Bedeutung des Zufalls. Das stelle ich gerne an den Anfang dieses Blogs.

Wie viel und was weiter in diesem Blog erscheinen wird, weiss ich noch nicht so genau. Aber es wird sicher u.a. auch um Technisches gehen, das iPhone, dessen Programmierung, Cocoa allgemein, Synchronisation mit SyncML, OpenSource, aber auch Grundeinkommen, Zahlen in der Politik, Alternativgeld(Systeme), Elektrovelos, Arbeitsformen. Es muss sich weisen - ans Bloggen muss ich mich erst mal gewöhnen.